Leseprobe

Auf den Weg also

Auf den Weg also.

So seltsam still ist der Wald.
Wo zum Frühlingsausgang vielstimmiges Pfeifen, Keckern, Zwitschern, frohes Tirilieren war, wo das Werben um den Partnerzur Fortsetzung der Schöpfung fast zu einem Lärm sich erhob, da ist nun besinnliche Ruhe eingekehrt.
Hochstehendes Gras säumt den Pfad und dieser schlängelt sich durch Buchenwald und später durch kleinen und dann auch hohen Tann. Hin und wieder, gerade auf der offenen Schonung, schiebt sich ein warmer Luftstrom durch die Gasse aus kleinen Fichten und Birkenwildwuchs. Die herzigen Blätter färben sich schon ein. Brombeeren hängen schwarz in den stacheligen Ranken und sie schmecken in einer reifen, dunklen Süße.Blau, rot, gelb; vielfarbig leuchten die leicht schon welkenden Blüten der Blumen, die ballrund violetten der Klette. Auch das Johanniskraut ist am Verblühen. Und wenn der Wind geht, dann raschelt es mit schon trockenem Klang. Auf den Distelblüten sucht eine Hummel nach dem Nektar, der immer spärlicher zu finden ist. Und über den Wipfeln treibt der Endsommersturm Wolkenfetzen in einen doch schon
wartenden Herbst hinein, in die spätsommerliche Ferne.
Fort.
Leises Bedauern liegt in der Luft. Ferner schon liegen die glühendheißen Tage mit ihren dumpf-lauen Nächten, in denen unter glitzerndem Sternendach das Hoffen und das Lieben seine Höhepunkte fand oder ungestillt in sich wieder verging - in der Sehnsucht auf ein nächstes Jahr.
vorbei langsam das schweben und das gleiten der träume am tage der jahrhundert - finsternis, als die mondgöttin das strahlen der sonne für kurze zeit in sich einfing; vorbei das gleiten und das schweben auf den bahnen der sternenströme, die in den nächten danach ihre schmauchenden spuren zwischen der kassiopeia und dem großen wagen an das firmament zeichneten; jedes aufleuchten ein wunsch und der himmel war voll vom wünschen und herzweh.

Breit öffnet sich der Weg, quert steinige Feldstraßen, hebt und senkt sich wie die atmende Brust, dem Gelände folgend. Bis er auf der Höhe dem Rasthaus entgegenstreben wird. Im Hag auf der Seite stehen Wacholderbüsche, zwischen deren stacheligen Zweigen tiefblau die Beeren auf den Pflücker warten; der sich aber dabei, wie im Leben, die Hände zersticht. Aber was macht das schon?! Den Weg hinauf begleiten leuchtend und glimmernd die Strahlenköpfe der Silberdisteln. Sie schimmern durch das Gras wie Sterne. Hier, auf kreidigem Fels, wachsen sie jahrein und jahraus und säumen den mühsamen Weg.

Oben stehen einladend Gartenstühle unter breiten Buchenwipfeln, Tische stehen im Schatten, voller Gläser und rastender Menschen. Eine immer freundliche, flotte Bedienung trägt die Labe herbei. Dank.
Sitzen und denken und schauen. Sich freuen.
Es ist eine erquickende Ruhe hier. Hier ist gut sein für Rast und innere Einkehr.

vorüber strömt die zeit und füllt sich mit gedanken über die schönheit und die vielheit des schönen, füllt sich mit nichtigem und wichtigem, mit luftigkeit und schwere; und in dieses träge denken hinein dringt der vielleicht letzte ruf eines vogels von weit her an das ohr und wie ein echo klingt es, als diesem, auch ein vielleicht letztesmal aus der ferne geantwortet wird, ein hauch von zeitlosigkeit huscht über die welt,

HERBST ist‘s worden!

Danach fliegen die Minuten im Wiegen der Wolken, im Zittern der Zweige und im Wehen der Winde.
Die Sonne treibt hin und wieder ihr glitzerndes Spiel im Laub. Sie wirft Schattenrisse über den Boden und über die Wände, über die Köpfe und die Hände auch.
Dann weht ein Hauch von Ferne daher und ein Rufen.

Tief drinnen tost die Unruhe.
Unruhe bewegt die Füße wieder.
Wieder kühler weht der Wind.
Windsbraut fällt durch die Büsche ein.
Ein Frösteln kommt auf.
Auf den Weg also.
Also
nach Haus.